Warum es vielleicht doch nicht schlau ist, einen Trainer schnell zu entlassen.

Bezugnehmend auf meinen letzten Artikel über die Entlassung von Peter Stöger beim SK Rapid folgt hier ein weiteres, persönliches, Statement zu den Schnellschüssen des Vereins aus Hütteldorf. Ich stelle mir immer wieder die Frage, warum Trainer immer schnell entlassen werden, wenn es einmal nicht läuft. Dass das erste Tief in einer Trainerlaufbahn meist zum Rauswurf führt, ist für mich nach wie vor unverständlich und so habe ich mir zwei Vereine rausgesucht, welche den Weg momentan etwas anders gehen und den Chefcoachs ihre Zeit für Entwicklung geben.

Grazer AK 1902, Ferdinand Feldhofer

Der GAK ist wieder da!

Ferdinand Feldhofer kam in der Saison 2024/25 als dritter Trainer zum Grazer Stadtklub, nachdem dort Aufstiegstrainer Gernot Meßner und auch Nachfolger Rene Poms früh das Zepter nehmen mussten. Der Verein hat es unter der Führung des 46-jährigen Steirers geschafft, letzte Saison nicht abzusteigen. Was klar ist, ist, dass ein Abstieg immer mehr kostet als ein neuer Trainer respektive zwei weitere Trainer auf der Paywall. So ging man also mit „Ferdl“ auch in die heurige Saison und gab dem Vorauer Zeit! Zeit, die sich nun bezahlt macht. So gelang den „Rotjacken“ zwar erst am 12. Spieltag der erste volle Erfolg, seit dem läuft es aber richtig gut beim Grazer Traditionsverein. Aus den letzten vier Spielen gibt es neun Punkte zu vermelden, die rote Laterne wurde abgegeben und man hat fünf Punkte Vorsprung auf den Letzten Blau-Weiß Linz. Der erste, erlösende, Dreier gab es mit dem 3:1-Heimsieg gegen Altach am 01.11., damals noch als Letzter der Tabelle.

Das Feuer brennt wieder in Graz, auf und abseits des Rasens.

Ein Monat später wirkt man gefestigt und die Räder greifen. Es folgte zwar eine bittere Niederlage gegen die Wiener Austria, wo man aber definitiv nicht die schlechtere Mannschaft war. Nach der Länderspielpause folgt dann der 2:1-Auswärtssieg beim SK Rapid und ein 3:1-Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten aus Linz. Und vor allem für die Fans noch wichtiger – dem GAK zuzusehen macht wieder Spaß! Vom absoluten Anti-Fußballspiel Mitte Oktober gegen Hartberg, wo ich selbst im Stadion war und das wohl langweiligste 0:0 meines Lebens zu sehen bekam, ist man nun bei einem raffinierten Umschaltspiel angekommen und auch die Stürmer Daniel Maderner und Ramiz Harakte tragen mit ihren Treffern zu einem erfolgreichen Spiel bei. Wie ich meine, ein gutes Beispiel, dass man vielleicht einfach mal Trainer arbeiten lassen sollte, manchmal dauert es einfach länger bis der Knoten platzt und gerade in der österreichischen Liga, wo es heuer noch eine Tabellen- und Punkteteilung gibt, kann man sich schon mal ruhig Zeit lassen, ab dem Frühjahr ist ohnedies wieder alles offen.

1. FC Nürnberg, Miroslav Klose

Immer gut besucht – das Max Morlock Stadion in Nürnberg

Das zweite Beispiel meiner Analyse führt mich ins Frankenland, ausgerechnet zu den „Brüdern“ der Ultras Rapid, in die 2. Deutschen Bundesliga. Bereits am 01. Juli 2024 übernahm dort der gebürtige Pole Miroslav Klose das Traineramt – einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer. Auch hier galt es, viel Geduld mitzubringen. Letzte Saison schloss man den Bewerb als 10. ab, 14 Siege standen aber auch 14 Niederlagen gegenüber. Nun ging man mit dem Vertrauen in Klose in seine zweite Saison, was folgt ist ein katastrophaler Start für den Traditionsverein aus Nürnberg. Fünf Runden, vier Niederlagen, ein trostloses 0:0 gegen Paderborn und das blamable Pokal-Aus in der 1. Runde gegen den bayrischen Regionalligisten FV Illertissen, bei dem ich live vor Ort war, sprechen für einen absolut verkorksten Saisonstart. In der bayrischen Kleinstadt Illertissen waren auch „Klose raus!“-Rufe zu hören, nach einem nicht nur wettertechnischen wechselhaften Spiel und dem Aus im Elfmeterschießen. Doch der Verein blieb ruhig und schenkte „Miro“ weiter das Vertrauen und siehe da – auch in Nürnberg läuft es momentan richtig gut!

„Klose raus!“-Rufe nach dem Pokalaus in Illertissen

Am sechsten Spieltag gelang gegen den VfL Bochum der erste Heimsieg, aus den darauffolgenden letzten acht Spielen ergatterte man 14 Punkte, was einen souveränen Schnitt von 1,75 Punkten pro Spiel macht. Seit dem 20. September wurden nur zwei Spiele verloren, einmal gegen die Hertha aus Berlin und einmal gegen den Tabellenletzten aus Magdeburg am vergangenen Spieltag. Besonders auffallend ist, dass beim FCN eine Vielzahl der Spieler Tore schießen, nicht nur die Stürmer. Führender der internen Torschützenliste ist der zentrale Mittelfeldspieler Rafael Lubach mit vier Treffern, gefolgt vom ebenfalls im zentralen Mittelfeld spielenden Finn Becker. Alle sechs bis jetzt eingesetzten nummerischen Stürmer hingegen halten zusammen bei fünf Treffern. Also auch in Franken wurde die Geduld belohnt, der 1. FC Nürnberg rangiert am souveränen zehnten Tabellenrang, hat nach dem katastrophalen Start mit den unteren Rängen nichts mehr zu tun und hat fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung weitergeht und wo der Verein am Ende des Jahres steht.

Vielleicht heilt die Zeit also wirklich alle Wunden und wie so oft im Leben ist auch im Fußball Geduld gefragt.

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