Was jetzt für die österreichischen Zweitligisten zu tun ist – Teil 1

Die Winterpause in Österreich hat nun also auch die beiden höchsten Spielklassen erreicht. Grund genug, um eine kleine Zusammenfassung der Vereine zu erstellen und einen Ausblick auf die kommende Frühjahrssaison zu geben, welche ab dem 20. Februar 2026 startet. Bis Jahresende sollten dann alle Vereine von Liga 1 und 2 hier beleuchtet worden sein, um mit geballtem Wissen ins Fußballjahr 2026 zu starten.
Allgemein bietet die „Liga zwa“ momentan eine große Spannungsbreite, die ersten fünf Tabellenränge trennen nur drei Punkte und alle diese Teams sind, zumindest theoretisch, aufstiegsberechtigt, da sie keine Zweitvertretung eines Bundesligisten sind. Wie genau es aber um die Lizenzvergabe aussieht, wird sich erst im Frühling bei der Bundesliga-Lizenzvergabe weisen. Weitere Spannung bietet auch das Ausscheiden des SV Stripfings, wurden doch alle bis dato erspielten Punkt und Tore der gespielten Begegnungen annulliert.

Schwarz-Weiss Bregenz (15. Tabellenrang)

Mit großen Ambitionen startete der Verein vom Bodensee in die Spielsaison 2025/26! Trainer der Vorarlberger: Niemand geringerer als Vereinslegende Regi Van Acker, welcher bereits in der Bundesliga von 2002 bis 2005 für 89 Spiele an der Seitenlinie der Bregenzer stand. Die zweite Amtszeit, welche 2024 begann, endete führ ihn in dieser Saison allerdings schneller, als im wohl lieb war. Nach einem schlechten Saisonstart von acht Spielen ohne Sieg (3 Niederlagen, 5 Unentschieden) entschlossen sich die Verantwortlichen die Reißleine zu ziehen und beurlaubten den 70-jährigen Belgier. Die Nachfolge trat dann Rapid-Legende Andreas Heraf an, welcher am 18. Oktober gegen SKU Amstetten das erste Mal an der Trainerposition stand und dieses Spiel 0:2 verlor. Der spielerische Negativtrend setzt sich leider auch auf den Tribünen fort. Am ersten Spieltag waren noch 1.000 ZuschauerInnen im Casino Stadion, am 12.12. waren es nur mehr 300. Einziger Ausreißer ist das Ländle-Derby gegen Austria Lustenau, 4.000 Fans im Stadion markieren für Liga Zwa einen großartigen Wert! Sportlich lief auch für Heraf das „Radl“ nur behäbig an, erst am 30.11. gegen die First Vienna gelang mit einem 3:0 der erste Sieg. Im letzten Spiel vor der Winterpause feierten die Schwarz-Weissen dann ihren zweiten Saisonsieg, das aber gegen den Tabellenführer aus St. Pölten – 2:1. Für das Frühjahr gilt es, den zuletzt gezeigten leichten Aufwärtstrend fortzuführen, um einen Abstieg in die Regionalliga West zu verhindern. Der Rückstand auf das rettende Ufer ist noch nicht zu groß – also noch alles drinnen für die Mannschaft aus dem Ländle.

Rettet Andreas Heraf noch SW Bregenz oder wird am Bodensee bald wieder Regionalliga gespielt?
SK Sturm II (14. Tabellenrang)

Unter dem erst 33-jährigen, mit der UEFA A-Lizenz ausgestatteten, Trainer Christoph Wurm ging man in die diesjährige Saison. Während man sich schon mit altbekannten Stadionproblemen rund um das Solarstadion in Gleisdorf rumärgern muss und für ein paar Spiele sogar auf den „Monte Schlacko“ in Leoben Donnawitz ausweichen, macht man am Spielfeld, wenn man mal eines findet, einen für eine Zweitvertretung durchaus soliden Eindruck. Die „Jung-Stürmer“ rangieren auf dem 14. Tabellenplatz und zeigen mit ihrer 4-4-2 Rautenformation durchwegs gute Auftritte. So kann sich ein 1:2-Sieg bei der Salzburger Austria ebenso gut sehen lassen wie ein souveränes 2:2 Unentschieden gegen den FC Liefering anfangs der Saison. Was allerdings auch im Sturm-Nachwuchs zu sehen ist: Der Fokus auf heimische Spieler ist nicht das Hauptaugenmerk, so stehen mit elf Legionären bei einer Kadergröße von 28 Spielern wenige heimische Nachwuchskicker am Blatt. Die hohe Quote von 39,3% an nicht-österreichischen Spielern ist für mich besorgniserregend, denn auch wenn man natürlich hier als Ausbildungsverein in einer Ausbildungsliga agiert, sollte meiner Meinung nach hier der Fokus wieder stärker auf heimische Talente gesetzt werden – nicht nur beim SK Sturm aus Graz, sondern bei allen österreichischen Vereinen, welche sich seit einiger Zeit nicht mehr am Österreicher-Topf beteiligen. Eine Entwicklung, die den Verantwortlichen im ÖFB jedenfalls Sorgen bereiten sollte. Für den weiteren Verlauf der Spielzeit wird es für den SK Sturm II weiterhin gute Leistungen brauchen, um die Liga zu halten und sich weiterhin unter Anderem mit den Zweitbesetzungen der Bundesliga-Konkurrenten zu messen und eine erfolgreiche Aufbauarbeit zu schaffen.

FC Hertha Wels (13. Tabellenrang)

Die „Transfer-Meister“ aus Oberösterreich sind nach dem erstmaligen Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse des Landes ganz „okay“ in den Herbst gestartet. Gleich 15 Spieler im Kader des FC Hertha Wels sind neu im Sommer in die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes gewechselt und performen dort nicht schlecht. Vor allem Albin Gashi, der  von der Admira aus Mödling nach Wels wechselte, lässt regelmäßig seine Qualität aufblitzen und hat schon acht Tore am Scorer-Konto. Auch die Fans lockt die Zweitliga-Euphorie in die schöne Arena, in welcher besonders die Kantine ein absoluter Hingucker ist. So besuchen rund 1.000 Fans die Heimspiele der Welser und bekommen dort auch recht ansehnlichen Fußball zu sehen. Ich war am 07. November gegen die First Vienna selbst vor Ort und bekam ein flott-frisches, wenn auch torloses, Fußballspiel zu sehen. Der sympathische Verein, welcher Defensiv regelmäßig einer Dreierkette vertraut, steht momentan am 13. Tabellenrang, für einen Aufsteiger aus der Regionalliga Mitte definitiv ein guter Zwischenstand. Trainer Christian Heinle zeigt, was mit ruhiger und konstanter Arbeit geschaffen werden kann, und so sehe ich die Hertha aus Wels nicht abstiegsgefährdet. Ich denke, sie werden eher nach oben hin noch den ein oder anderen Platz gut machen, wenn man es schafft, die professionelle Arbeit fortzuführen, auch wenn aus den letzten drei Spielen im Herbst nur ein Punkt herausgeschaut hat, dieser gelang aber immerhin gegen den Erstplatzierten SKN St. Pölten.

Immer gut besucht – die HUBER Arena in Wels
KSV 1919 (12. Tabellenrang)

Der Verein aus Kapfenberg kam unter Interimstrainer Mario Grgic nur stockend in die Saison, nach zwei sieglosen Spielen folgte am dritten Spieltag der erlösende erste Saisonsieg, so war das 3:1 gegen die Austria aus Lustenau ein regelrechter Dosenöffner und die Obersteirer gewannen daraufhin drei weitere Spiele in Folge. Erst am 03. September dann stellte man den 53-jährigen Vladimir Petrovic als neuen Cheftrainer vor, welcher aber schon seit 2015, mit einer kurzen Unterbrechung als Cheftrainer beim TUS Spielberg 2018/19, im Verein tätig ist, zuletzt als Co-Trainer. Der Übungsleiter bevorzugt das flache 3-5-2-System, an welchen die KSVler allerdings zuletzt immer wieder an sich selbst zu scheitern scheinen. Die letzten fünf Spiele zeigen teils erschreckende Ergebnisse, wie zum Beispiel die 5:2-Auswärtsniederlage bei den Jungbullen aus Liefering oder das 6:1-Debakel bei der Admira in der Südstadt. Insgesamt konnte man fünf Siege erringen, aber auch neun Niederlagen mussten hingenommen werden. Noch dazu stellt man mit einer Tordifferenz von -14 die schlechteste der Liga. Auch die Fans im Alpenstadion bleiben momentan aus, so verirrten sich in keinem der bisherigen Heimspiele mehr als 750 BegutachterInnen in das in die Jahre gekommene Oval in der schönen Obersteiermark. Wenn man es nicht schafft, das Spiel zu stabilisieren wird diese Saison für den KSV 1919 noch sehr schwierig werden, die Tendenz zeigt leider ganz klar nach unten.

Tore erwünscht – volle Offensive für das Frühjahr in Kapfenberg
SK Austria Klagenfurt (11. Tabellenrang)

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga inklusive Trainer-Hick-Hack rund um Ex-Trainer Peter Pacult und Carsten Jancker ging man mit dem ehemaligen Co-Trainer Rolf Landerl in die neue Saison. Der 50-jährige Wiener übernahm offiziell per 01. Juli das Cheftrainer-Amt des Wörthersee-Vereins. Gleich in seinem ersten Pflichtspiel als Trainer setzte es im UNIQA ÖFB-Cup eine herbe 0:2-Pleite gegen den letztjährigen Zweitligabasteiger SV Horn. Das erste Zweitligaspiel der Saison gab es im Duell der Austrianer gegen ebendiese aus Salzburg, welches gleich an Spieltag eins das Duell Auf- gegen Absteiger markierte, wurde mit 1:2 auswärts gewonnen, das erste Heimspiel gegen die Young Violets dann 2:3 verloren. Danach folgte eine souveräne Zeit mit zahlreichen Siegen und einem ordentlichen Platz im Mittelfeld der Tabelle. Doch dann kam der Einbruch: der letzte Sieg der Klagenfurter Violetten datiert vom 26. September 2025, was auch in der Tabelle den freien Fall bedeutet und der Absteiger der letztjährigen Bundesligasaison sich nur mehr auf Rang elf wiederfindet. Lichtblick in der Offensive ist der kroatische Stürmer Bartol Barisic, welcher auf Leihbasis vom slowakischen Erstligisten Dunajska Streda an den Wörthersee im Sommer wechselte. Er bestritt alle 18 Saisonspiele und hält dabei souverän bei sieben Treffern. Auch Österreich-Rückkehrer und Bundesliga-Alumnus Marc Andre Schmerböck, welcher nach einem sportlichen Ausflug nach Indien wieder in die Heimat zurückkehrte, in welcher er unter Anderem schon für den Wolfsberger AC, die TSV Hartberg oder auch die SV Ried die Fußballschuhe schnürte, hält bei drei Treffern, wobei er allerdings in Landerls 3-4-1-2-System eher die Rolle des hängenden Stürmers übernimmt. Auch die Austria Klagenfurt muss sich also im Frühjahr wiederfinden und vielleicht zu alten, kämpferischen Tugenden zurückkehren, welche sie in der Bundesliga damals so stark gemacht haben. Ansonsten kann auch hier der weitere Rückgang in der Tabelle nicht vermieden werden und ein drohender Supergau mit erneutem Abstieg wäre für die finanzschwachen Klagenfurter wohl mit dem kompletten Aus aus dem Profi-Fußball verbunden.

Leere Ränge in Klagenfurt – gehen bald ganz die Lichter aus?

Teil 2 folgt … bleib am Ball 😉

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