Nach der Zusammenfassung der österreichischen zweiten Liga ist es nun auch an der Zeit, die Vereine aus der höchsten Leistungsstufe des Landes etwas unter die Lupe zu nehmen und auch hier einen kleinen Ausblick auf das kommende Frühjahr zu schaffen.

FC Blau-Weiß Linz (12. Tabellenrang)

Der Verein aus der Stahlstadt begann die diesjährige Saison mit wohl geschrumpften Erwartungshaltungen, denn nachdem man letztes Jahr noch überraschend den Sprung in das obere Playoff der Liga schaffte, kam es zum Verlust einiger wichtigen Personalien, allen voran der Abgang von Chef-Coach Gerald Scheiblehner in die Schweiz, zu Grasshoppers Zürich, schmerzte extrem. In seiner Amtszeit mutierte er zum „Kaiser vom blauen Linz“, auch wenn die Mannschaft definitiv teilweise überperformte, unter Scheiblehner war der FC Blau-Weiß Linz noch wer in der Liga. Heuer sieht es da schon ganz anders aus. Die Bestellung des neuen Trainers Mitja Mörec erwies sich im Nachhinein als „nicht besonders glücklich“ und so stand er bereits am 29. November, nach 15 Ligaspielen, auch schon wieder das letzte Mal an der Seitenlinie der Blau-Weißen. Bis dahin war der Weg ein äußerst steiniger: die erste Runde in Wien Hütteldorf ging gleich mit 0:1 verloren und auch die drei folgenden Spiele wurden mit null Punkten beendet. Besonders beängstigend zeigte sich auch das Torverhältnis nach vier Runden, 0:7 aus Sicht der Linzer, keine Tore, keine Spur mehr von der in der Vorsaison aufstrebenden Euphorie an der Donaulände. Auch mit dem Transfer des in der Bundesliga bekannten Shoan Weißmann erwies sich als nicht gerade glücklich, doch die politischen Aussagen und Statements des Mittelstürmers sollen hier kein Thema sein. Am 13. September gelang dann gegen den GAK endlich der erste von bis dato drei Saisonsiegen, auch Altach und die Wiener Austria konnten besiegt werden. Einzig das letzte Spiel des Herbsts gegen die krisengebeutelten Rapidler darf etwas Hoffnung auf die Rettung der Linzer geben, ein 1:1 stand hier am Ende auf der Anzeigetafel. Mit Routine auf der Trainerposition geht es nun für den Club in die zweite Saisonhälfte – der neue Trainer heißt Michael Köllner, welcher sehr viel Erfahrung mitbringt und auf Vereine wie 1860 München, Ingolstadt oder auch 1. FC Nürnberg, welchen er 2018/19 von der zweiten in die erste deutsche Bundesliga führte, in seiner Vita stehen hat. Man kann dem sympathischen Verein aus der Donaustadt nur alles Gute wünschen, die ZuschauerInnen im regelmäßig ausverkauften „Hoffmann-Personal“-Stadion hätten sich den Klassenerhalt jedenfalls verdient.

NOCH bei guter Laune, die Fans von Blau-Weiß Linz

Grazer AK (11. Tabellenrang)

Die roten Grazer kamen nach dem letztjährigen Aufstieg am Ende der Saison noch zumindest etwas ins Laufen und unter Trainer Ferdinand Feldhofer, ja, genau, die Sturm Graz Legende, wurde der Klassenerhalt geschafft. Ein paar am Papier gut aussehende Transfers im Sommer sollten das große Zittern für diese Saison verhindern, doch auch heuer kommt der „Stadtklub“ nur schwer in die Gänge. Der Auftakt im ersten Saisonspiel gegen die Wiener Austria ließ zumindest ein wenig Hoffnung aufkeimen, dass diese Saison alles besser wird, doch auf das 2:2-Auftakt-X folgte prompt eine beinharte 0:5-Klatsche in der Salzburger Red Bull Arena. Danach zeigt sich der GAK teilweise sehr konzentriert und oft wirkt es in den Spielen so, dass es einfach an der Qualität der Spieler liegt, dass die Begegnungen nicht gewonnen werden – Kampfgeist und Leidenschaft kann man den „Geidorfer Jungs“ in fast keiner Phase der Spielzeit absprechen, lediglich das müde 0:0 gegen Hartberg am 18. Oktober des Jahres war ein absoluter „Anti-Fußball“. Bei dieser Partie bekam man schon wieder Angst, dass alte Muster aufkeimen und wieder mal rein gar nichts geht im roten Graz. Doch dann, nach einer bitteren 1:0-Niederlage gegen den LASK kam die Erlösung: ein 3:1-Heimsieg gegen den SCR Altach brachte sogar Trainer Feldhofer die Freudentränen ins Gesicht und der Stein, der den Spielern, Trainern und Fans an diesem 01. November vom Herzen fiel, spürte man in der ganzen Republik beben. Ab diesem Zeitpunkt hat es „Klick“ gemacht bei den GAKlern und nun wissen sie, dass sie Spiele auch gewinnen können. Die Ernte der harten Arbeit wird im Herbst 2025 noch durch Siege gegen den SK Rapid und Blau-Weiß Linz in Form von drei Punkten eingeholt und auch die Spiele, die sie nicht gewonnen haben, waren gut anzusehen und nun kann man mit vollem Fokus in das Frühjahr starten und für den GAK nur hoffen, dass sich die harte Arbeit am Ende in Form des Klassenerhalts bezahlt macht.

Immer für schöne Choreographien gut – der Anhang des Grazer AKs
WSG Tirol (10. Tabellenrang)

Was war das für ein fulminanter Start in diese Saison für die Wattener?! Auftaktsieg gegen Hartberg, Sieg gegen den LASK, Unentschieden gegen den GAK und Unentschieden gegen den Wolfsberger AC, acht Punkte aus vier Spielen, ein Punkteschnitt von 2,0 – Philipp Semlic hat super Arbeit geleistet im Sommer und die Tiroler wirken gefestigt und spielerisch mutig. Erst am 14. September gab es dann die erste Saisonniederlage, beim 1:4 in Wien Hütteldorf wirkte die Semlic-Elf doch stark geschwächt und ordentlich durch den Wind. Der anfangs entstandene Erfolgslauf konnte anschließend dann leider nicht ganz gehalten werden, weswegen man sich zur Winterpause nur auf dem zehnten Tabellenrang dieser brutal engen Liga wieder findet. Vor allem die Phase nach ebendiesen Auswärtsnuller ist schuld dass man jetzt im Keller der Tabelle zu finden ist, konnte man nach dem Spiel bei Rapid doch vier weitere nicht gewinnen, drei davon wurden sogar verloren. Was man aber in Tirol sieht, ist, dass die eingeschworene Truppe immer mit viel Spielwitz und Leidenschaft in die Partien geht und sich vor keinem Gegner verstecken muss. Das zeigte besonders das erst im Dezember gespielte Nachtragsspiel beim SK Sturm, welches mit 3:1 gewonnen wurde, Traumtor von Matthäus Taferner inklusive. Sowas gelingt dir nicht, wenn du kein Selbstvertrauen hast und genau dieses dürfen sich die WSGler niemals nehmen lassen, dann steht auch einem weiteren Jahr in der ADMIRAL Bundesliga nichts im Wege. Und wer weiß, vielleicht gelingt es ja doch irgendwann noch, das Gernot Langes Stadion in Wattens zur bundesligatauglichen Spielstätte umzuwandeln, um nicht mehr all zu lange im trostlos wirkenden Innsbrucker Tivoli spielen zu müssen, in welcher sich in dieser Saison nur zweimal mehr als 4.000 BesucherInnen verirrten – gegen Red Bull Salzburg und den SK Rapid. Der Ausbau wäre dem Verein mit den Swarovski-Steinchen am Trikot nur zu wünschen, denn was ein kleines, kompaktes Stadion ausmachen kann, kennt man in Österreich beispielsweise von der SV Ried oder auch vom SCR Altach.

Leider ein bekanntes Bild – leere Ränge im Innsbrucker Tivoli bei den „Heimspielen“ der WSG Tirol.
SCR Altach (9. Tabellenrang)


Nach dem letztjährigen Trainer und Sportdirektor Hin und Her kam man im Sommer mit Trainer Fabio Ingolitsch etwas zur Ruhe und das tat dem Verein sehr gut! Allerdings entwickelte sich die Elf der Voralberger zur wohl größten Wundertüte dieser Spielzeit. Von Konstanz kann weder in positiver, noch in negativer Hinsicht hier kaum die Rede sein doch auch so kann man Punkte sammeln, beim SCR Altach sind es zu diesem Zeitpunkt 21 dieser. Die ersten beiden Spiele konnten die Herrn aus dem Ländle gleich positiv bestreiten, 0:2 beim WAC und ein 1:0 gegen die SV Ried zeigen, dass der Verein im Sommer seine Hausaufgaben erfüllt hat. Erst am fünften Spieltag mussten die Tabellenschreiber das erste Mal keine Punkte dem Tableau in der Zeile der Altacher eintragen, eine 0:1-Auswärtsniederlage gegen die Wiener Austria. Besonderer Lieblingsgegner der Schwarz-Weißen bleibt allerdings auch heuer wieder der FC Red Bull Salzburg, welche man bereits zwei Mal in der Saison 2025/26 bespielte und beide Male ein respektables Unentschieden am Ende raussprang. Der SCR Altach ist auch der Verein, der, zumindest am Papier, am öftesten seine Grundformation ändert, was für eine perfekte Einstellung auf den Gegner hindeutet. Vom klassichen 4-4-2 gegen den SK Sturm bis zum modernen 3-4-1-2-System in den letzten Spielen war alles dabei, was natürlich auch den Spielern viel Kopfarbeit abverlangt, doch Fabio Ingolitsch beweist oft das richtige Händchen um so viele Gegner zu ärgern und Punkte einzuhamstern. Auch wenn es für viele Auswärtsfahrer die längste Reise des Jahres darstellt, wünscht man sich den westlichsten aller Vereine weiterhin in der Liga und wenn es in Altach so weitergeht, wird es auch nach der Punkteteilung viele positive Momente im Ländle geben.

Das Schmuckkästchen im Ländle.

Teil 2 folgt – bleib am Ball 😉

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